Wasser - Das Lebenselixier
Wasser – Das Lebenselixier und seine Qualität
Wasser ist die Grundlage allen Lebens auf der Erde. Der Großteil des für den Menschen zugänglichen Süßwassers liegt als Grundwasser, Quellwasser oder Oberflächenwasser (Flüsse, Seen, Talsperren) vor. Bevor dieses sogenannte Rohwasser jedoch als Trinkwasser genutzt werden kann, muss es strenge Qualitätsanforderungen erfüllen, die in Deutschland durch die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) geregelt sind.
Kritische Infrastruktur - Kennen Sie den Zustand sder Wasserleitungsnetze?
Obwohl Deutschland für seine hohen Standards in der Trinkwasserversorgung bekannt ist, gerät die Infrastruktur zunehmend in die Kritik, da sie ein potenzielles Risiko für die Wasserqualität darstellt.
Ein Großteil des deutschen Wasserleitungsnetzes ist jahrzehntealt. Rohre aus den 1960er und 1970er Jahren stehen mancherorts am Ende ihrer Lebensdauer (die in der Regel 50 bis 80 Jahre beträgt). Dies führt zu einem erhöhten Sanierungsbedarf und damit verbundenen hohen Kosten für Kommunen und Stadtwerke.
Folgen: Marode Rohre können undicht werden, was einerseits zu Wasserverlusten führt und andererseits das Eindringen von Keimen und anderen Fremdstoffen ins Trinkwasser begünstigt.
Keime und Stagnation: In alten oder schlecht durchspülten Leitungen – sowohl im öffentlichen Netz als auch in den privaten Installationen – kann stehendes Wasser zur Brutstätte für Krankheitserreger (z. B. Legionellen im Warmwasser) werden. Immer wieder kommt es in Gemeinden zu temporären Keimbelastungen, die Abkochanordnungen zur Folge haben.
Trinkwasser Verordnung und die Realität - Ungeprüfte Stoffe
Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) ist streng und garantiert eine hohe Sicherheit hinsichtlich der gesetzlich geregelten Parameter. Hier zeigt sich jedoch eine kritische Diskrepanz zwischen Gesetz und tatsächlicher Belastung:
Geprüfte vs. Vorhandene Stoffe: Die TrinkwV kontrolliert routinemäßig eine Liste von rund 40 bis 50 chemischen Stoffen und weiteren mikrobiologischen Parametern. Die tatsächliche Belastung des Wasserkreislaufs (Grund- und Oberflächenwasser) ist jedoch weitaus komplexer. Experten schätzen, dass im Wasser leicht über 1.500 Stoffe anthropogenen Ursprungs (vom Menschen verursacht) enthalten sein können, die nicht von der Routineprüfung erfasst werden.
Arzneimittelrückstände, Hormone und Pestizide: Besonders kritisch sind Spurenstoffe wie Arzneimittelrückstände (z. B. Diclofenac, Betablocker, Hormone aus der Antibabypille) und Pestizide. Diese Stoffe werden über Abwasser und Landwirtschaft in die Gewässer eingetragen. Moderne Kläranlagen können diese Substanzen nicht vollständig herausfiltern, wodurch sie in den Wasserkreislauf gelangen.
Gesundheitliche Auswirkungen: Obwohl die Konzentrationen im Trinkwasser oft im niedrigen Nanogramm-Bereich liegen und nach aktuellem Wissensstand keine akute toxische Gefahr für den Menschen darstellen, sind die langfristigen Auswirkungen des sogenannten "chemischen Cocktails" auf die menschliche Gesundheit und das Ökosystem noch nicht abschließend geklärt. Man weiß jedoch, dass hormonell wirksame Substanzen in Gewässern zu einer Verweiblichung von Fischen führen können.
Neue Regularien: Die jüngste Novellierung der TrinkwV (2023) reagiert auf diese Problematik und führt neue Grenzwerte für Stoffe wie PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen, auch "Ewigkeitschemikalien" genannt) und Bisphenol A (BPA) ein, was die gestiegene Relevanz dieser Verunreinigungen unterstreicht.